“Space for me is everything”, Interview für D&AD, 2017

 

The picture shows the logo of the D&AD Award.

 

Ich habe mein ganzes Leben lang über Raum nachgedacht. Es macht mich verrückt. Raum umgibt Dinge. Raum umgibt Menschen. Raum ist mein Zuhause. Raum ist Erinnerung. Raum ist Bedeutung. Raum ist alles für mich.

Raum ist das nächste „große Ding“

Raum gab es schon vor der Digitalisierung. Jetzt erleben wir gerade eine digitale Periode. Die Menschen erforschen neue, digitale Räume, sie experimentieren damit, sie schwelgen darin. Wenn man heute jemanden trifft, macht man das digital – wenn man ein Produkt kauft, macht man das digital – wenn man Geld von der Bank haben will, macht man das lieber digital.

Ich glaube, das ist erst der Anfang (Ouvertüre). Das „nächste große Ding“ ist Raum. Er hat ein Comeback. Weil alles im Raum geschieht – echte Menschen – echte Erfahrungen – der erste echte Moment, den man nie vergisst – all das wird ein Teil der DNA. In unseren digitalen Zeiten wird der Raum wichtiger als je zuvor. Ich kann mich zum Beispiel nicht mehr daran erinnern, was ich vor zwei Monaten im Internet gesucht habe. Aber an den Abend, als ich mich vor zwei Monaten mit Freunden zu Hause traf, schon. Ich erinnere mich noch an den Geschmack des Weins und den Geruch des Essens – weil ich das alles im wirklichen Leben erlebt habe.

Veränderte Touchpoints im Raum

Die digitale Technologie wird die Touchpoints im Raum radikal verändern. Die Art und Weise, wie wir Dinge kaufen, die nächste Generation ausbilden oder Menschen unterhalten. Es wird keine Ausstellungsräume mehr geben, in denen sich die Menschen verschiedene Automodelle und Farben anschauen können. Sie wissen bereits alles, was sie wissen müssen, um ein neues Auto im Internet zu kaufen. Es wird keine Supermärkte mehr geben, denn Amazon & Co. werden uns unsere Lebensmittel nach Hause liefern. Die Studenten werden nicht mehr wegen einer bestimmten Universität in eine andere Stadt umziehen müssen – sie können ihre Kurse online und in der virtuellen Realität belegen. Museen werden weniger wichtig, weil es neue Räume für Kunst geben wird. Ausstellungen und Shows werden auf eine neue Ebene gestellt und sind nicht mehr auf einen bestimmten Ort beschränkt.

Jeder muss seinen alten Raum verlassen, um neue Antworten zu finden. Deshalb ist Raum der größte Bereich, in dem wir etwas Neues tun können. Etwas, das wir noch nie zuvor erlebt haben. Wir werden das Digitale in die reale Welt übertragen. Wir werden die reale Welt neu erfinden.

Michael Keller wird bei den D&AD Awards 2018 Jurymitglied für die Kategorie Spatial & Experiential Design sein. Den Originalartikel können Sie hier lesen.